Mit NIS2 steigen die Anforderungen an die Cybersicherheit auch für Betreiber von Ladeinfrastruktur. Die 13 Energieunternehmen des BEÖ und die europäische Cybersecurity-Organisation ENCS haben in einer Erhebung untersucht, wie gut Hersteller von Ladestationen aufgestellt sind. Im Interview erklären BEÖ Vorstandsmitglieder Josef Neuhold und Lukas Wallner die wichtigsten Ergebnisse und welche gemeinsamen Standards die Branche jetzt vorantreiben will.




NIS2 kurz erklärt
Die EU-Richtlinie NIS2 soll das Cybersicherheitsniveau in wichtigen und kritischen Wirtschaftsbereichen, etwa im Energiesektor, erhöhen. Betroffene Einrichtungen müssen Cyberrisiken systematisch bewerten, geeignete technische und organisatorische Sicherheitsmaßnahmen umsetzen, die Sicherheit ihrer Lieferketten berücksichtigen und erhebliche Cybersicherheitsvorfälle melden. In Österreich wird NIS2 mit dem Netz- und Informationssystemsicherheitsgesetz 2026 (NISG 2026) umgesetzt. Seit 1. Oktober 2026 sind die wesentlichen Bestimmungen des NISG 2026 sind in Kraft. Bis Anfang Jänner 2027 müssen sich betroffenen Unternehmen registrieren. Innerhalb von zwölf Monaten nach Eintritt der Registrierungspflicht müssen unter anderem die umgesetzten Risikomanagementmaßnahmen, die Sicherheit der Lieferketten und die Ergebnisse der Risikoanalyse dargestellt werden. Ab Oktober 2028 kann die Cybersicherheitsbehörde erstmals einen unabhängigen Nachweis über die Umsetzung der Sicherheitsmaßnahmen verlangen. Bei erheblichen Cybersicherheitsvorfällen gilt: Frühwarnung innerhalb von 24 Stunden, Meldung innerhalb von 72 Stunden und grundsätzlich ein Abschlussbericht spätestens einen Monat nach der 72-Stunden-Meldung.

Josef Neuhold: „Eine Ladestation ist längst mehr als ein Stromanschluss. Sie ist Teil einer digitalen Infrastruktur und eines Gesamtsystems. Genau deshalb rückt Cybersicherheit stärker in den Fokus. Mit NIS2 steigen die Anforderungen an Betreiber deutlich: Risiken müssen früh erkannt, Lieferketten bewertet und Sicherheitsvorfälle strukturiert gemeldet werden. Das erhöht die Sicherheit für Betreiber und Kund:innen gleichermaßen. Mit dem weiteren Wachstum der E-Mobilität werden Cybersicherheit, Verfügbarkeit und Vertrauen in die Ladeinfrastruktur zu Schlüsselfaktoren für den Erfolg des Gesamtsystems. Ladestationsbetreiber tragen hier eine besondere Verantwortung. Daher ist es besonders wichtig dieses Thema mit derselben Ernsthaftigkeit zu behandeln wie Betriebssicherheit, Netzstabilität und Kundenzufriedenheit. Unsere Erhebung zeigt, dass sich alle befragten Hersteller intensiv mit NIS2 beschäftigen und selbst von der Richtlinie als wichtige oder wesentliche Einrichtungen betroffen sind.“